Der verhinderte Tänzer (Gebundene Ausgabe)


Der verhinderte Tänzer (Gebundene Ausgabe)

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Der verhinderte Tänzer

Tausend Geschichten, tausend Fragen und ein paar Antworten

(Pierre Kynast)

252 Seiten. ISBN 9783943519075. Hardcover, gebundene Ausgabe, Schutzumschlag

Mit dem Helden des Buches geht der Leser den Weg durch die ersten 30 Jahre eines Lebens. Dabei sind es die Erlebnisse eines Einzelnen, die exemplarisch das typisch Menschliche spiegeln. Von der unbekümmerten Glückseligkeit der Kindheit über das aufbegehrend rücksichtslose der Jugend bis zu mörderischen Selbstzweifeln und Verzweiflungen am Dasein und der Welt wird man in eine Geschichte hineingezogen, die in ihrer Intensität einzigartig ist. Der unbedingte Wille, sich selbst nicht zu belügen, und der Schmerz unerfüllten Verlangens, das seine Ursachen und Ziele sucht, bringen den Helden zuletzt zu sich selbst und einigen Einsichten über die Welt und das Leben in ihr. Die Geburt ist lange nicht abgeschlossen, wenn der Mensch den Mutterleib verlässt. Mit 30 ist man ein ganzes Stück weiter.

 

Leseprobe

Freiheit, oder vom Willen

Ich bin angekommen im Nichts. Einfach nur da sein und mitmachen, nichts mehr scheint angesagt. Die Revolte, das Aufbegehren hat jeden Glanz verloren, scheint erstickt zu sein. Die Bälle werden heute flacher gehalten; uns geht es zu gut, um wirklich aufbegehren zu können. Auch wenn wir nichts haben, so haben wir doch Brot und Spiele – Friede, Freude, Eierkuchen und jemanden, der gelassen aufpasst, das uns nichts passiert. Wunderbar. Kein blödes Gefasel – Realität. Und mal ehrlich, was können wir mehr wollen? Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Arbeitersohn zum Bundeskanzler, vom Girlie zum Popstar – was, oh Herz, willst du mehr? Lebe! Mehr verlangt man nicht von dir.

Ignorant? Wirklich? Alles, was nicht sein soll, zu ignorieren, bei sich selbst zu bleiben, zufrieden zu werden mit dem, was einem wird, was man werden kann? Das ist nicht ignorant, das ist Gedankenhygiene, Realitätshygiene, das sind wir – und gut ist es. Was willst du im Brei rumpfuschen, alles wird doch immer irgendwo schon gewusst, besser gewusst. Lebe nur. Willst du wirklich mitmischen, Realität machen, die über dich hinausgeht?

Es war wieder ein Morgen, an dem ich nicht erwachen wollte. Irgendwann musste ich dann, es ging nicht anders. Was auch immer es ist, irgendwann stehst du auf, warum auch immer. Das Leben ist durchschaut, alles kann man sich erklären. Im Nachhinein hätte es gar nicht anders sein können, als es ist. Denn es ist. Also, was soll’s? Lebe!

Es ist, ist aller Anfang. Aber das, was uns ist, ist immer bevor es uns ist. Wie sonst sollte es uns sein? Alles ist Gesehenes, Gefühltes, Gedachtes, Getanes ... bereits vollzogen im Moment der Erkenntnis. Die Erkenntnis läuft der Wirklichkeit hinterher und kann sie anders auch gar nicht greifen, als nachdem sie geschah. Wir sind immer schon weiter als wir wissen. Das, was ist, ist im Sein für uns das, was war. Das, was wirklich ist, ist unerreichbar, es sei denn, wir wüssten, was wird. Wir greifen die Tasse, aber das ist schon längst vorbei, geschehen bevor getan und trotzdem passiert?

Der Wille ist Ursache der Tat, ob der mit der Hand oder der mit dem Kopf. Unser Wille ist es, der macht, was wird. Aber Achtung: Unser Wille ist dem Gesagten folgend, bevor er uns wird. Er war schon, bevor wir seiner gewahr wurden. Das Bewusstsein kann das Sein nicht greifen. Ich kann aufstehen und nach Wien gehen, aber ich tue es nicht. Ich stehe auf und gehe nach Wien, aber ich hätte auch hier bleiben können. Blödsinn. Ich bin nicht gegangen oder ich bin nicht geblieben. Auch die Entscheidung ist, bevor sie uns wird.

Menschliches Bewusstsein ist also ein dem-Geschehen-hinterher-Rennen. Unser Sein ist die Vergangenheit dessen, was ist; unsere Zukunft bereits geschehen, wenn wir der Gegenwart gewahr werden. Was also bitte soll Freiheit sein, wenn nicht lediglich die nachgängige Konstruktion dessen, was hätte sein können, aber nie war, eine wirklich unerhörte Selbstüberhöhung, ein Selbstbetrug erster Güte?

Bewusstsein oder jeder Moment jeglicher Existenz steht uns erst zur Verfügung nach seiner Realisation. Alles Sein ist Sein, nachdem es war. Alles ist, bevor es uns wird.

Was kann nun noch der Satz bedeuten: Wir treffen willentliche Entscheidungen? Und wenn jedes Geschehen immer schon ist, was soll dann „beeinflussen“ heißen? Und was heißt nun Bewusst-sein, Selbstbewusst-sein, Mensch-sein?

Jegliche Worte, Ausdrücke oder Begriffe, die ein „So hätte es auch sein können“ implizieren, lassen uns der Illusion erliegen, wir wählten bewusst. Die Wahl aber ist immer schon getroffen, bevor wir sie treffen, und so ist sie lediglich Bewusstwerden der Wahl. Plakativ könnte man sagen, in dem Moment, in dem wir entscheiden, aufzustehen, haben wir uns schon erhoben.

[...]

Ich bin, was ich war, und was ich sein werde, ist in dem Moment, in dem ich bin, was ich war. So ist alle Zeit in einem und jedem Moment.

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