Friedrich Nietzsches Übermensch


Friedrich Nietzsches Übermensch

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Friedrich Nietzsches Übermensch

Eine philosophische Einlassung

(Pierre Kynast)

160 Seiten. ISBN 9783943519051

Dieses Buch ist ein Wagnis. Ein Wagnis, weil hier Nietzsches Philosophie des Übermenschen wiedergegeben wird, ohne sie zu kritisieren, objektivierend aufzuweichen oder zu verdammen. Wer eine Antwort auf die Frage sucht, was es mit Nietzsches Übermenschen auf sich hat, der findet sie hier – ohne belehrenden Zeigefinger und ohne besonnen warnende Stimme. Die Abhandlung verfolgt den Gedanken des Übermenschen durch Nietzsches Werk, nimmt dabei viele seiner gefährlichen Gedanken auf und bezieht diese, Nietzsches Duktus folgend, auf aktuelle Ereignisse und Gegebenheiten unserer Zeit, zum Beispiel auf die Präambel zum deutschen Grundgesetz. Mit Nietzsche steht die Welt in einem anderen Licht. Auch heute noch, und vielleicht mehr denn je, ist Nietzsches Übermensch eine Philosophie für Übermorgen auf der Suche nach neuen Philosophen.

 

Leseprobe

Die Werte „Gut und Böse“, „Gut und Schlecht“

Die Suche nach Werten im Überweltlichen und Außermenschlichen ist ein Irrweg. Es gibt keinen Wert, der nicht an einem Leben klebte. Und die größte Gefahr allen Moralisierens besteht daher darin, einen notwendig subjektiven Wert zu verallgemeinern, ihn zu einem „objektiven“ zu verklären.

Mit dem Wort „Gut!“ bringen Menschen Wertschätzungen zum Ausdruck und dem nachgehend, was sie wertschätzen oder wie, findet Nietzsche zwei grundsätzlich voneinander verschiedene Möglichkeiten und damit Ursprünge von Moral. Zum einen die spontane Bejahung der eigenen Absicht, Person oder Tat, zum anderen das Ressentiment, die gefühlsmäßige Abneigung gegen irgendwas oder irgendwen. Aus diesen zwei Arten wert-zu-schätzen wachsen zwei Moralen und also zwei Begriffe von „gut“. Der Begriff von „gut“, welcher dem spontanen „Ja!“ entspringt, hat notwendig, der Zeit und der Sache nach, Vorrang. Das bestätigen auch Nietzsches etymologische Recherchen. Sie ergeben:

dass überall „vornehm“, „edel“ im ständischen Sinne der Grundbegriff ist, aus dem sich „gut“ im Sinne von „seelisch-vornehm“, „edel“, von „seelisch-hochgeartet“, „seelisch-privilegiert“ mit Nothwendigkeit heraus entwickelt: eine Entwicklung, die immer parallel mit jener anderen läuft, welche „gemein“, „pöbelhaft“, „niedrig“ schliesslich in den Begriff „schlecht“ übergehen macht.[i]

„Gut“ ist seinen Anfängen nach das Abzeichen politischen oder sozialen Vorrangs. Die Spitzen der Gesellschaft geben ursprünglich das Vorbild für den Begriff. Das, was sie für gut erachten, was sie bejahen, das heißt gut. Es sind die Namen, die sie sich selbst geben, welche sich zum Inbegriff des Guten entwickeln. So verweist zum Bespiel das lateinische „bonus“ (gut) etymologisch auf den „Kriegsmann“ und gibt damit einen Hinweis darauf, „was im alten Rom an einem Manne seine „Güte“ ausmachte“[ii]. Die aristokratische Wertgleichung „gut = vornehm = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt“[iii] ist die positive, der Bejahung entsprungene Wurzel des Begriffes „gut“ – entsprungen dem „Ja!“ der Herren zu sich selbst. Die Edlen wären nie auf die Idee gekommen, sich ihres Glückes zu schämen, und was „schlecht“ heißt, das ergibt sich, in der Abgrenzung zu ihnen, erst im Nachhinein. Die vornehme Wertungsweise

agirt und wächst spontan, sie sucht ihren Gegensatz nur auf, um zu sich selber noch dankbarer, noch frohlockender Ja zu sagen, – ihr negativer Begriff „niedrig“ „gemein“ „schlecht“ ist nur ein nachgebornes blasses Contrastbild im Verhältniss zu ihrem positiven, durch und durch mit Leben und Leidenschaft durchtränkten Grundbegriff „wir Vornehmen, wir Guten, wir Schönen, wir Glücklichen![iv]

In den Worten, mit denen das niedere Volk und der gemeine Mann bezeichnet werden, hört man eben daher eine Art Bedauern, Rücksicht, Nachsicht mitschwingen[v]. Die Selbstherrlichkeit der Mächtigen, der Herren, der Wohlhabenden hat nur einen müden Blick für das, was sie wenig angeht, das Schwache, Arme und Ohnmächtige – keinesfalls einen bösen Blick! – wozu auch?

Der in jeder Hinsicht ursprüngliche Begriff des Guten entspringt also einem „Ja“ der Herren zu sich selbst und dem, was ihnen gut dünkt. Das von daher sich ergebende Werte-Gerüst nennt Nietzsche „Herren-Moral“.

Zu ihrer Voraussetzung [gehört] eine mächtige Leiblichkeit, eine blühende, reiche, selbst überschäumende Gesundheit, sammt dem, was deren Erhaltung bedingt, Krieg, Abenteuer, Jagd, Tanz, Kampfspiele und Alles überhaupt, was starkes, freies, frohgemuthes Handeln in sich schliesst.[vi]

Das Thätigsein wird [...] mit Nothwendigkeit in’s Glück hineingerechnet[vii]

Die zweite Möglichkeit der Genese eines Begriffes von „gut“ besteht, wie gesagt, in der Verneinung. Bevor aber derart überhaupt ein Begriff von „gut“ gebildet werden kann, bedarf diese Wertungsweise eines positiven Begriffs, etwas, aus dessen Verneinung dann ein „Gut!“ gewonnen wird.

Eben so wenig wie die erstgenannte spontan-positive Begriffsgewinnung etwas Künstliches hat – sich selbst für „richtig“ nehmen ist etwas, was wohl jedem aus seiner eigenen Erfahrung zugänglich ist –, hat es diese zweite. Dem Beraubten, Unterworfenen oder Niedergetretenen wird der dafür Verantwortliche, wie edel er auch sein mag, wohl kaum gut heißen. Er ist, von dieser Warte aus gesehen, der Böse – und eben diese Verneinung „des Bösen“ bildet den anderen Ursprung des Begriffs „gut“. „Gut“ bedeutet nunmehr: nicht rauben, nicht unterwerfen, nicht niedertreten – das Ressentiment wird selbst schöpferisch und gebiert Werte.

An dieser Stelle, so Nietzsche, beginnt der Sklavenaufstand in der Moral[viii]. Die Ohnmächtigen, die Schwachen, die Krankhaften und die vom Unglück Verfolgten wissen sich nicht anders ihren Selbstwert, ihr „Ja“ zu sich selbst zu erhalten, als ihren Gegensatztyp, das blühende, selbstherrliche Dasein, zum Bösen zu degradieren. Verständlich ist das, wie gesagt, ein Stück weit. Aber es ist ebenso der Boden, auf dem uneinlösbare Ideale wachsen. Denn:

Von der Stärke verlangen, dass sie sich nicht als Stärke äussere, dass sie nicht ein Überwältigen-Wollen, ein Niederwerfen-Wollen, ein Herrwerden-Wollen, ein Durst nach Feinden und Widerständen und Triumphen sei, ist gerade so widersinnig als von der Schwäche verlangen, dass sie sich als Stärke äussere.[ix]

Genau dazu aber schickt sich die „Sklaven-Moral“ an. Sie lügt letzten Endes die Schwächen, aus denen sie wächst, das Nicht-überwältigen-Können, das Nicht-Herr-werden-Können, zu Stärken um und verklärt

die Ohnmacht, die nicht vergilt, zur „Güte“; die ängstliche Niedrigkeit zur „Demuth“; die Unterwerfung vor Denen, die man hasst, zum „Gehorsam“ [...]. Das Unoffensive des Schwachen, die Feigheit selbst [...] kommt hier zu guten Namen, als „Geduld“ [...]. Auch redet man von der „Liebe zu seinen Feinden“ – und schwitzt dabei.[x]

Das mit dieser zweiten Art von Wertungsweise gewonnene Wertegerüst gibt als „Sklaven-Moral“ die Bedingungen wieder, unter denen sich das nach der Herren-Moral „Schlechte“ in seinem Dasein erhalten kann. Die ausgezeichneten Vertreter der Sklaven-Moral sind für Nietzsche die Priester und als historisch herausragendes Beispiel des Kampfes von Herren- und Sklaven-Moral versteht Nietzsche den Kampf „Rom gegen Judäa, Judäa gegen Rom“[xi], den Judäa qua Christentum gewann – bis Gott starb. Was sich damit vollzog, war eine Umwertung der herrschenden Werte. Aus dem „Guten“ des in jeder Hinsicht vorrangigen Wertespektrums „Gut und Schlecht“ wurde der „Böse“. Der „Schlechte“ erklärte sich gegen diesen Bösen zum „Guten“ und seine Daseinsbedingungen zum Wert an sich. Infolgedessen stand zuletzt ein neues Wertespektrum – „Gut und Böse“ – da, verklärt nach beiden Richtungen, und die Welt stand auf dem Kopf.

_____________

[i] GM. I. 4. (5, 261)
[ii] GM. I. 5. (5, 264)
[iii] GM. I. 7. (5, 267)
[iv] GM. I. 10. (5, 271)
[v] vgl. GM. I. 10. (5, 271 f)
[vi] GM. I. 7. (5, 266)
[vii] GM. I. 10. (5, 272)
[viii] vgl. GM. I. 10. (5, 270)
[ix] GM. I. 13. (5, 279)
[x] GM. I. 14. (5, 281 f)
[xi] GM. I. 16. (5, 286)

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