Nietzsche - Werke, Band 2 - Menschliches Allzumenschliches

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Friedrich Nietzsche, Giorgio Colli (Hrsg.)

Menschliches, Allzumenschliches I und II

Kritische Studienausgabe, Band 2

dtv Sachbuch, Paperback, 720 Seiten, ISBN 978-3-423-30152-7

Wagner war wütend, als er sich das Buch, das Nietzsche ihm zugesandt hatte, vornahm. … Tatsächlich bezeichnet Menschliches, Allzumenschliches den Übergang von einer einseitigen und eingeenten Phase in Nietzsches Denken, in der sich Originales und Übernommenes noch nicht deutlich voneinander trennen lassen, zu einer neu gewonnenen Unabhängigkeit, zur Auflösung einer inneren Disharmonie durch eine philosophische Vertiefung, die ihn plötzlich eine unabhängige Sprache finden läßt und sein Denken zu einer Weite führt, die all das umschließt, was ihm zuerst unvereinbar erschienen war.

Giorgio Colli

"Wer sich selber sehen will, so wie er ist, muss es verstehen, sich selber zu überraschen, mit der Fackel in der Hand." (Friedrich Nietzsche)

.

Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Erster Band.

  • An Stelle einer Vorrede.
  • Vorrede.
  • Erstes Hauptstück: Von den ersten und letzten Dingen.
  • Zweites Hauptstück: Zur Geschichte der moralischen Empfindungen.
  • Drittes Hauptstück: Das religiöse Leben.
  • Viertes Hauptstück: Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller.
  • Fünftes Hauptstück: Anzeichen höherer und niederer Cultur.
  • Sechstes Hauptstück: Der Mensch im Verkehr.
  • Siebentes Hauptstück: Weib und Kind.
  • Achtes Hauptstück: Ein Blick auf den Staat.
  • Neuntes Hauptstück: Der Mensch mit sich allein.
  • Unter Freunden. Ein Nachspiel.

Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Zweiter Band.

  • Vorrede.
  • Erste Abtheilung: Vermischte Meinungen und Sprüche.
  • Zweite Abtheilung: Der Wanderer und sein Schatten.

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Leseprobe

Gerecht sein wollen und Richter sein wollen. — Schopenhauer, dessen grosse Kennerschaft für Menschliches und Allzumenschliches, dessen ursprünglicher Thatsachen-Sinn nicht wenig durch das bunte Leoparden-Fell seiner Metaphysik beeinträchtigt worden ist (welches man ihm erst abziehen muss, um ein wirkliches Moralisten-Genie darunter zu entdecken) — Schopenhauer macht jene treffliche Unterscheidung, mit der er viel mehr Recht behalten wird, als er sich selber eigentlich zugestehen durfte: „die Einsicht in die strenge Nothwendigkeit der menschlichen Handlungen ist die Gränzlinie, welche die philosophischen Köpfe von den anderen scheidet.“ Dieser mächtigen Einsicht, welcher er zu Zeiten offen stand, wirkte er bei sich selber durch jenes Vorurtheil entgegen, welches er mit den moralischen Menschen (nicht mit den Moralisten) noch gemein hatte und das er ganz harmlos und gläubig so ausspricht: „der letzte und wahre Aufschluss über das innere Wesen des Ganzen der Dinge muss nothwendig eng zusammenhängen mit dem über die ethische Bedeutsamkeit des menschlichen Handelns“, — was eben durchaus nicht „nothwendig“ ist, vielmehr durch jenen Satz von der strengen Nothwendigkeit der menschlichen Handlungen, das heisst der unbedingten Willens-Unfreiheit und -Unverantwortlichkeit, eben abgelehnt wird. Die philosophischen Köpfe werden sich also von den anderen durch den Unglauben an die metaphysische Bedeutsamkeit der Moral unterscheiden: und das dürfte eine Kluft zwischen sie legen, von deren Tiefe und Unüberbrückbarkeit die so beklagte Kluft zwischen „Gebildet“ und „Ungebildet“, wie sie jetzt existirt, kaum einen Begriff giebt. Freilich muss noch manche Hinterthür, welche sich die „philosophischen Köpfe“, gleich Schopenhauern selbst, gelassen haben, als nutzlos erkannt werden: keine führt in’s Freie, in die Luft des freien Willens; jede, durch welche man bisher geschlüpft ist, zeigte dahinter wieder die ehern blinkende Mauer des Fatums: wir sind im Gefängniss, frei können wir uns nur träumen, nicht machen. Dass dieser Erkenntniss nicht lange mehr widerstrebt werden kann, das zeigen die verzweifelten und unglaublichen Stellungen und Verzerrungen Derer an, welche gegen sie andringen, mit ihr noch den Ringkampf fortsetzen. — So ungefähr geht es bei ihnen jetzt zu: „also kein Mensch verantwortlich? Und Alles voll Schuld und Schuldgefühl? Aber irgendwer muss doch der Sünder sein: ist es unmöglich und nicht mehr erlaubt, den Einzelnen, die arme Welle im nothwendigen Wellenspiele des Werdens, anzuklagen und zu richten, — nun denn: so sei das Wellenspiel selbst, das Werden, der Sünder: hier ist der freie Wille, hier darf angeklagt, verurtheilt, gebüsst und gesühnt werden: so sei Gott der Sünder und der Mensch sein Erlöser: so sei die Weltgeschichte Schuld, Selbstverurtheilung und Selbstmord; so werde der Missethäter zum eigenen Richter, der Richter zum eigenen Henker.“ — Dieses auf den Kopf gestellte Christenthum — was ist es denn sonst? — ist der letzte Fechter-Ausfall im Kampfe der Lehre von der unbedingten Moralität mit der von der unbedingten Unfreiheit, — ein schauerliches Ding, wenn es mehr wäre als eine logische Grimasse, mehr als eine hässliche Gebärde des unterliegenden Gedankens, — etwa der Todeskrampf des verzweifelnden und heilsüchtigen Herzens, dem der Wahnsinn zuflüstert: „Siehe, du bist das Lamm, das Gottes Sünde trägt.“ — Der Irrthum steckt nicht nur im Gefühle „ich bin verantwortlich“, sondern eben so in jenem Gegensatze „ich bin es nicht, aber irgendwer muss es doch sein.“ — Diess ist eben nicht wahr: der Philosoph hat also zu sagen, wie Christus, „richtet nicht!“ und der letzte Unterschied zwischen den philosophischen Köpfen und den andern wäre der, dass die ersten gerecht sein wollen, die andern Richter sein wollen.

Friedrich Nietzsche. Menschliches Allzumenschliches. Vermischte Meinungen und Sprüche. 33

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